Als sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts in unseren Dörfern die alten Bindungen innerhalb der dörflichen Gemeinschaft auflösten und die sozialen Strukturen in einen Prozess der Umwandlung gelangten, sollte es sich zeigen, dass die alten Formen des Brandschutzes und der Brandhilfe nicht mehr ausreichten. Einige Großbrände in Deutschland während der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts hatten das besonders deutlich gemacht.
Ein aufrüttelndes Alarmzeichen bot das Schicksal der Stadt Hamburg in den Maitagen des Jahre 1842, als während des „Großen Hamburger Brandes“ ein Drittel der Stadt in Schutt und Asche gesunken war. Nun horchte man im ganzen Lande auf. Bis zu jener Zeit hatte es in Deutschland bis auf zwei Ausnahmen nur Pflichtfeuerwehren gegeben.

Das hamburgische Brandunglück wurde zum Anlass, in Durlach bei Karlsruhe ein freiwilliges Pompierkorps aus Turnern zu gründen. Fünfzig Mann taten dort bereits im Jahre 1846 ihren Dienst. Sie sollten bald Gelegenheit haben, sich zu bewähren. Im Jahre 1847 forderte ein Großfeuer im Karlsruher Schlosstheater achtundsechzig Opfer. Es war ein allgemein anerkannter Verdienst der „Durlacher“, dass sich das Feuer nicht in der Stadt ausbreiten konnte.

Das erfolgreiche Beispiel machte schnell Schule. Noch in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts entstanden in zahlreichen Ortschaften Süddeutschlands freiwillige Wehren. Am ersten Feuerwehrtag in Deutschland im Jahre 1853 in Plochingen nahmen bereits Abordnungen von zehn Wehren teil; im Jahre 1862 beim dritten Feuerwehrtag in Mainz vertraten die dort versammelten Männer einhundertundvierzig Wehren.

Nach dem süddeutschen Beispiel kam es dann auch zur Aufstellung freiwilliger Feuerwehren in Norddeutschland. Angeregt durch die Gründung der ersten Feuerwehren auf freiwilliger Basis im Kreise Stormarn, sind wohl auch damals die alten Mitglieder der Brandwehren in Wohldorf und Ohlstedt zu dem Entschluss gekommen, eine freiwillige Feuerwehr in jedem der weit voneinander entfernt liegenden Ortsteile zu gründen.

Wohldorf und Ohlstedt waren seit dem Jahre 1872 zu einer politischen Gemeinde zusammengeschlossen worden. Daher wurde die Zusammengehörigkeit der beiden neu zu gründende Wehren auch rein äußerlich dadurch zum Ausdruck gebracht, dass die zwei Wehren „Freiwillige Feuerwehr der Gemeinde Wohldorf und Ohlstedt“ genannt wurden und – jedenfalls in der ersten Zeit ihres Bestehens – sich „Spritze I“ (Ohlstedt) und „Spritze II“ (Wohldorf) nannten. Später fiel diese Unterscheidung weg, und man sprach nur noch von der Freiwilligen Feuerwehr Ohlstedt und der Freiwilligen Feuerwehr Wohldorf.

Ohlstedt macht mit der Gründung einer Wehr den Anfang. Ein kleines im Jahr 1894 angelegtes Heft beginnt mit den Worten: „Die Wehr ist errichtet am 9.2.1894.“ Dann folgen die Namen aller Kameraden, die etwa bis zum Jahre 1933 ihren freiwilligen Dienst in der Ohlstedter Wehr versehen haben. Die Gründungsmitglieder werden zuerst genannt, dann folgen die später Hinzugekommenen. Wir begegnen Namen vieler Familien die im alten Ohlstedt einen guten Ruf hatten.

Zur Zeit der Gründung der Ohlstedter Freiwilligen Feuerwehr gehörten ihr an: Hans Böttger, Fritz Duve, Karl Hamann, Wilhelm Hevert, Wilhelm Hinsch, Willi Hund, Fritz Iden, Heinrich Iden, Louis Janson, E. Kramp, Theodor Leist, Adolf Meins, Gustav Mohr, Heinrich Niermeyer, Ernst Ohge, Friedrich Rathloff, Heinrich Rau, Louis Rau, Julius Schilling, Hermann Soost, Hinrich Starkjohann, Wilhelm Timmermann.

Demnach hatte sich in Ohlstedt die stattliche Zahl von fünfundzwanzig Männern bei der Gründung und in den nachfolgenden Monaten bereitgefunden, den freiwilligen Dienst im Interesse der Allgemeinheit zu verrichten. Große und kleine Landwirte und vor allem Handwerker hatten sich gemeldet. Viele von ihnen mögen bereits vorher der Brandwehr in Ohlstedt angehört haben. Alle waren Männer, die wussten, was es heißt, wenn im Dorfe ein Feuer ausbricht.

In den ersten Jahren ihres Bestehens traten die Wehren im Durchschnitt sechs- bis zehn mal im Jahre zusammen. Die bei dieser Gelegenheit abgehaltenen Übungen umfassten neben den „Spritzenübungen mit und ohne Wasser“ auch „Fußexerzieren“, so wie es damals in einer zackigen Wehr im wilhelminischen Zeitalter üblich war. Zum Dienst gehörten auch Aufmärsche in der Gemeinde oder in Hamburg, wie z.B. 1894 bei einem Fackelzug zu Ehren des Bürgermeisters Versmann oder 1895 Umzug in Wohldorf und Ohlstedt aus Anlass der Sedanfeier mit Pflanzen einer Eiche. Beim Feuerwehramt in Hamburg wurden Lehrgänge abgehalten, an denen unsere Kameraden teilnahmen und dann auf den „Corps-Versammlungen“ davon berichteten.

Neben der Ausbildung kam auch die Geselligkeit nicht zu kurz. Der alljährlich stattfindende Feuerwehrball war von der Gemeinde immer gut besucht. Es war üblich geworden, dass die Wohldorfer an den Veranstaltungen der Ohlstedter und Duvenstedter und umgekehrt teilnahmen. Bei diesen Vergnügungen spielte dann der Ohlstedter Musiker J. Schilling auf, der hierfür meist sechs Mann besorgen musste. Später übernahm diese Aufgabe R. Iden aus Duvenstedt. Mann kam bei Bonn (Wohldorf-Ohlstedter Hof im Melhopweg), bei Bocks Witwe, Duvenstedter Triftweg, im Hotel „Zur Schleuse“ oder anderen bekannten Wohldorfer und Ohlstedter Gaststätten zusammen.

Zu allergrößter Beliebtheit, vor allem unter der Jugend Wohldorfs und Ohlstedts, gelangte die Feuerwehr durch ihre Musikkapelle, die bei allen öffentlichen Veranstaltungen der Gemeinde in Erscheinung trat. Die Kapelle hat schon im Jahr 1895 bestanden, denn im Wohldorfer Protokoll heißt es über den Musiker Julius Schilling, er habe „bisher unsere Corps-Musiker unentgeltlich unterrichtetet“. Älteren Wohldorfern und Ohlstedtern ist sicherlich die Mitwirkung der Feuerwehrkapelle im Jahre 1927 beim Richtfest und 1928 bei der feierlichen Einweihung des Wohldorfer und Ohlstedter „Rathauses“ in bester Erinnerung geblieben.

Nach dem letzten Kriege ist die Kapelle nicht wieder neu gegründet worden.

Die Ausrüstung der Wehren bestand in den ersten Jahrzehnten im wesentlichen aus der pferdebespannten Spritze, die per Hand betrieben wurde. Zu große Entfernungen zu Wasserstellen machten oft die Löscharbeit unmöglich, so dass ein Einsatz der Wehren nur im Zusammenwirken mit einer benachbarten Wehr möglich war, indem das Schlauchmaterial vereinigt wurde. Dem Einwirken der für die Wehren Verantwortlichen ist es zu verdanken, dass die Zahl der Feuerlöschteiche vermehrt wurde.

Dem tatkräftigen Gemeindevorsitzenden und Kommandeur der Freiwilligen Feuerwehr in Ohlstedt ist es zu verdanken, dass die erste Motorspritze im Hamburger Landgebiet in Ohlstedt stationiert wurde.

Richard Timmermann, dem die Gemeinde Wohldorf und Ohlstedt, um nur einige Beispiele zu nennen, das Rathaus, die Schule und den Waldfriedhof verdankt, war damals gleichzeitig Vorsitzender der Verbandes für freiwillige Feuerwehren im Hamburger Landgebiet. Im Jahre 1925 konnte diese Motorspritze, damals noch pferdebespannt, feierlich unter Begleitung von Ehrenjungfrauen und der ganzen Gemeinde eingeholt und dem Spritzenmeister Fritz Kruse übergeben werden.

Die Pferdebespannung konnte im Jahre 1928 durch einen umgebauten Motorlieferwagen ersetzt werden. Bis zum Anfang des Krieges taten Spritze und Kraftfahrzeug ihren Dienst. Beide Fahrzeuge wurden während der Bombenangriffe im Hamburger Stadtgebiet eingesetzt und gingen durch Kriegseinwirkungen verloren.

Das erste Spritzenhaus befand sich beim Waldhaus und diente der berittenen Polizei als Pferdestall.

Danach wurde ein neues Spritzenhaus auf dem Ohlstedter Platz erbaut. Es ist später abgerissen worden. Der Ohlstedter Platz war damals der Sportplatz.

Heute sind die Fahrzeuge der Ohlstedter Wehr im Rathaus untergebracht. Der umsichtige und vorausschauende Richard Timmermann hatte beim Bau des Rathauses gleich einen Unterkunftsraum mit einbauen lassen. Auch an ein Zimmer für die Unterrichtsstunden war gedacht und auf Veranlassung Timmermanns mit eingerichtet worden.

Zwischen 1937 und 1945 wurden die Wehren von Wohldorf und Ohlstedt per Anordnung vom Amt zusammengelegt. Ein aus sieben Personen bestehender Führungsrat bestimmte zu der Zeit die Geschicke der Feuerwehr in Wohldorf und Ohlstedt.

Die neuen Zeiten brachten neue Titel und Namen. Aus dem „Kommandeur“ wurde ein „Brandmeister“ (bzw. Hauptmann) und später „Wehrführer“.

Trotz der oben genannten Anordnung blieb eine gewisse Selbständigkeit der beiden Wehren erhalten. Nach dem Kriege wurde das vollständige Eigenleben der beiden Wehren wiederhergestellt. Damals (im Herbst 1945) erhielt die Ohlstedter Wehr aus dem Bestand des „Zivilen Bevölkerungsschutzes“ ein Löschfahrzeug, welches bis 1966 im Dienst war.

Heute besitzt die Wehr ein Löschfahrzeug LF 16/12 mit einem 1600 Liter Wassertank sowie technischem Gerät zur Hilfeleistung. Weiter noch steht uns ein Löschgruppenfahrzeug LF 16, Baujahr 1985, vom Bund für Einsätze im Rahmen des Katastrophenschutzes zur Verfügung.

Während die Ohlstedter Wehr in den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens fast ausschließlich zur Brandbekämpfung herangezogen wurde, liegt der Schwerpunkt der heutigen Einsätze hauptsächlich ( ca. 85 % ) in der Erstversorgung. Durch die Stadtrandlage von Ohlstedt benötigen Rettungswagen und Notarztwagen im Einsatzfall doch meist sehr viel länger zum Einsatzort, als es im Stadtgebiet der Fall ist. Ende 1991 wurde der Ohlstedter Wehr deshalb die Erstversorgung für das Ohlstedter Einsatzgebiet übertragen.

Dieses bedeutet, dass die Freiwillige Feuerwehr Ohlstedt neben den normalen Brand- und Hilfeleistungseinsätzen auch immer dann alarmiert wird, wenn Menschen schwer erkrankt sind, bei Verkehrsunfällen mit verletzten Personen und ähnlichen lebensbedrohlichen Situationen. Dadurch ist natürlich auch die Einsatzhäufigkeit stark angestiegen. Waren es sonst pro Jahr im Schnitt ca. 10-15 Einsätze, so wird die Ohlstedter Wehr heute über hundert mal im Jahr zu jeder Tages- und Nachtzeit alarmiert.

Diese Einsatzhäufigkeit bringt natürlich auch sehr viel Motivation mit sich, so dass die Wehr auch heute 25 Mitglieder zählt, die wie in den Gründungsjahren auch heute dem alten Wahlspruch treu bleiben: In unzähligen Brand- und Katastropheneinsätzen sowie in zahlreichen Notfällen haben die Männer der Freiwilligen Feuerwehr Ohlstedt ihren Dienst zum Wohle der Allgemeinheit versehen.